30.03.2022

Einfach gut

Bernhard Busch steht für ganzheitliche Ansätze, viele agn-Bauten zeigen seine sensible architektonische Handschrift. Lange hat er als Geschäftsführer und Gesellschafter bei agn den Bereich Architektur vertreten. Er hat das Unternehmen mitentwickelt und seinen Mitarbeitern vermittelt, wie Generalplanung funktioniert.

2021 stand das Jubiläum an: Er feierte 40 Jahre Betriebszugehörigkeit. Zum Jahresende hat er sich aus der Geschäftsführung verabschiedet und begleitet das Unternehmen nun als Senior Consultant.

Herr Busch, wie sind Sie im Jahr 1981 zu agn gekommen?
BB: Mein Start bei agn war im Grunde auch der Start in das Berufsleben, wenn ich einmal von der Bauzeichnerlehre und einigen Praktika absehe. Zum Ende meines Studiums, vielleicht ein halbes Jahr vor Fertigstellung und Verteidigung meiner Abschlussarbeit an der Hochschule Münster, sah ich eine Stellenanzeige am Schwarzen Brett. Ich habe mich direkt beworben, obwohl es noch zu früh war, denn die Größe des Büros, seine Projekte und die Interdisziplinarität haben mich angesprochen.

Haben Sie es je bereut, den Beruf des Architekten auszuüben?
BB: (Lacht.) Nein, dann hätte ich das nicht so lange gemacht. Im Gegenteil:
Architektur ist mein Hobby, meine Leidenschaft. Meine Vorbilder sind Oscar Niemeyer und Gottfried Böhm, die bis zum letzten Tag mit der Skizzenrolle bewaffnet ins Büro gegangen sind und ihr Leben der Architektur gewidmet haben. Wie definieren Sie Qualität?
BB: Architektur ist nicht gut, weil sie schreit, sondern weil sie ordentlich – mit Herz und Verstand, nach innen und außen – gefügt ist. Qualität offenbart sich oft erst mit der Zeit. Deswegen ist das schönste Lob, das der Architekt erhält, der neue Auftrag eines Stammkunden. Ich bin sehr froh, dass mir diese Form der Würdigung immer wieder zuteilwurde.

Machen die digitalen Werkzeuge uns automatisch zu besseren Architekten?
BB: In gewisser Hinsicht schon, denn es gelingt uns damit noch besser, Kosten, Termine und Qualitäten transparent zu machen. Für den Bauherrn sind das besonders wichtige Aspekte. Andererseits ist es durch die Vielzahl an Informationen rund um das Gebäude und die Möglichkeiten seiner Entwicklung schwierig geworden, sich auf Wesentliches zu beschränken. Dabei definiert die Stringenz und Einfachheit des Entwurfs doch auch seine Schönheit! Kritisch finde ich es auch, dass die (ökologische) Nachhaltigkeit oft
Einsparungen zum Opfer fällt. Der nicht verwertbare Bauschutt aus Plastik und Verbundstoffen wird unseren Enkeln wohl noch viele Probleme bereiten. 

Mit welchem Projekt haben Sie am meisten gerungen?
BB: Mit jedem! (Lächelt.) Wir planen fast ausschließlich Prototypen. Ein besonderes Projekt war sicherlich die Bundesbank Dortmund: Sie hat meinen Arbeitsalltag rund zehn Jahre, also ein Viertel meines Berufslebens, begleitet. Auch die Auseinandersetzung mit Denkmälern wie dem Kloster Gravenhorst oder St. Bonifatius war sehr intensiv – und natürlich auch sehr bereichernd.

Gibt es ein Projekt, das Sie jetzt noch besonders reizen würde?
BB: Also, wenn ich noch einmal frei wählen könnte, würde ich als Dombaumeister den Kölner Dom betreuen.

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